„Und wem Allah kein Licht gibt, der hat kein Licht“ [Sure an-Nur 40].

Die menschliche vernunftbegabte Seele ist ein Funke aus Allahs Licht, ein durchsichtiges, unvergängliches Juwel. Wenn wir sie mit den Tugenden des Tauhid polieren, wird sie rein und fühlt sich in Liebe und Leidenschaft zu ihrem Schöpfer hingezogen, so wie sich ein Buchstabe zu seiner Bedeutung hingezogen fühlt und ein Fluss zum weiten Meer. Dann nimmt Allah sich ihrer mit guter Fürsorge an, sodass sie tugendhaft, gelassen und zufrieden lebt und die Stufen emporsteigt.

Nichts poliert und kristallisiert die Seele mehr und hilft ihr, sich zu ihrem Ursprung hingezogen zu fühlen, als die Aufrichtigkeit (Sidq). Die Aufrichtigkeit verhält sich zum Glauben wie der Kopf zum Körper. Aufrichtigkeit ist ein exekutiver Beschluss und eine positive Haltung, die auf festem Boden stehen muss, damit ihre Säulen nicht wanken und ihr Gebäude nicht einstürzt; dieser feste Boden ist die Wahrhaftigkeit (Tasdiq). Der Beginn der Aufrichtigkeit ist die Wahrhaftigkeit, und ihr Ergebnis ist die Liebe, die den Diener mit dem Angebeteten verbindet. So strahlt das Licht, das zwischen den Flügeln des Dieners leuchtet, und offenbart sich als Worte auf seinen Lippen und als Taten durch seine Gliedmaßen.

Es ist zuallererst die Wahrhaftigkeit, dass der Mensch das Ziel dieser Existenz und den Zweck des Schöpfers (gepriesen sei Er) darstellt und dass alle Wesen dieser Schöpfung, angefangen bei den Galaxien bis hin zu den Atomen und Elektronen, in seinem Dienst stehen, um seine Menschlichkeit zu verwirklichen, seinen Schöpfer zu erkennen und Ihm zu gehorchen. Seine Menschlichkeit ist nichts anderes als seine Verbindung mit seinem Schöpfer durch das Wahrnehmen in seinem Selbst und in allem, was ihn umgibt. Es ist das vollkommene Glück, wenn der Mensch durch seinen korrekten Glauben einerseits und seine guten Taten andererseits den Kern seiner vernunftbegabten Seele so polieren kann, dass er alle offensichtlichen Wahrheiten des Daseins auf dem Spiegel seiner Einsicht eingeprägt sieht. Dann wird das Wissen zur Erinnerung, wie ein Weiser sagte, und die im Kern der Seele vorhandenen intuitiven Wahrheiten decken sich mit dem Wissen, das der Verstand durch Beobachtungen und Erfahrungen über die allgemeinen Gesetze erworben hat. Dann gewinnt der Mensch die Gewissheit, dass seine Seele nur ein Funke aus Allahs Licht ist, ein göttlicher Sauerteig in diesem irdischen Leben. Allah offenbart sich ihr, wenn sie rein und durchsichtig durch wahres Wissen und Handeln geworden ist, und Er lässt sie allein, wenn sie verfinstert und durch falsches Wissen und schlechtes Handeln verdichtet ist.

Es ist die Wahrhaftigkeit, dass die Existenz zielgerichtet und nicht sinnlos ist und dass jede Ursache darin ihrem Ursprung folgt, weil Allah sie auf der Grundlage von Gesetzen geordnet hat, die Er in die Natur der Geschöpfe gelegt hat. Nichts ist ein Zufallsprodukt, und nichts geschieht blindlings; selbst Wunder und Außergewöhnliches sind nur Phänomene, die präzisen rationalen Gesetzen unterliegen, die wir bisher noch nicht kennen.

Und weil der Schöpfer Seine Geschöpfe nach Gesetzen erschaffen hat, die Er in Seiner Weisheit angeordnet hat, muss der Mensch wissen und glauben, dass die Natur in ihrer Gesamtheit gut ist. Das Böse, das auf Erden verübt wird, resultiert aus dem Handeln des Menschen entgegen den Gesetzen der Gesandten und Propheten, weil er in seinem Starrsinn, seiner Hochmut und seiner utilitaristischen Philosophie darauf beharrt, die Gesetze der Natur und des Verstandes zu ignorieren und seinen Begierden, seiner Gier und der Finsternis seiner Seele zu folgen. Er übt Aggression gegen sich selbst aus, indem er die Keime des Guten, der Wahrheit, der Schönheit und der Gerechtigkeit in sich vernachlässigt: „Wer ein Stäubchen Gutes tut, wird es sehen, und wer ein Stäubchen Böses tut, wird es sehen.“ Wenn die Wahrhaftigkeit des Menschen gegenüber den himmlischen Botschaften, den Gesandten und den Gottesfreunden feststeht, erkennt er mit Verstand und Erfahrung, dass der Tauhid (Monotheismus) in all diesen Botschaften hinterlegt ist. Er ist der Geist, durch den die Seelen leben, und er gewinnt die Gewissheit, dass Wahrheit, Güte und Gerechtigkeit der Kern all dieser Botschaften, ihr Ziel und ihr höchster Punkt sind. Dann verschwindet der Fanatismus aus dem Herzen des Menschen und die Negativität aus seinem Verstand, und er öffnet sich positiv für alle, in dem Wissen mit der Gewissheit der Überzeugung, dass sich die Erscheinungsformen ändern, während das Wesen eins bleibt und den Einen, den Unabhängigen (As-Samad) sucht, der nicht gezeugt hat und nicht gezeugt wurde und dem niemand ebenbürtig ist. Der Mensch handelt dann nach dem Prinzip der göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit.

Es ist die Aufrichtigkeit, die den Widerspruch zwischen dem, was der Mensch mit seinem Geist will, und dem, was er mit seinem Körper will, aufhebt. So verschwindet die Dualität und der Gegensatz zwischen Geist und Körper vollständig, bis der Körper zu einem durchsichtigen Geist wird, der seinem Schöpfer gehorcht und mit Seinen Gesandten und Propheten verbunden ist, so wie die Rose mit ihrem Duft und der Strahl mit seiner Sonne verbunden ist. Es ist die Aufrichtigkeit, die den Menschen in einen ewigen Liebenden verwandelt. Jedes Mal, wenn er eine Insel aus Korallen und Rubinen im Meer der göttlichen Liebe entdeckt, wächst seine Freude und seine Sehnsucht in seinem Inneren entflammt, noch weiter zu segeln, auf der Suche nach einer anderen Insel. Es ist die Freude der ständigen Entwicklung und des Aufstiegs. Die Liebe hat ihn gelehrt, dass die zielgerichtete Bewegung das Wesen dieser Existenz ist und dass der Mensch aus Fleisch und Blut, in dem sich das Begrenzte und das Unbegrenzte, das Bewusste und das Unbewusste, das Relative und das Absolute, das Dichte und das Feinstoffliche verweben, seine Ursache in der ständigen Reise im Meer seiner Liebe, seiner Leidenschaft und seiner Sehnsucht nach Verbindung mit seinem Ursprung hat, den die Verstände nicht erfassen und die Gedanken nicht umfassen können. Er ist uns näher als die Halsschlagader, und er ist uns fern, weil er uns umgibt, wir ihn aber nicht umfassen können. Wir reisen von Ihm zu Ihm auf einer Reise, die kein Ende nimmt. Die Sehnsucht ist ihr Führer, die Liebe ihr Gefährt und das Verlangen nach Verbindung ihr Ziel und ihr Begehr.

Quelle