Gott der Allmächtige sagt: „O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet.“ [Al-Baqara 183]. Hisham ibn al-Hakam fragte Imam Ja'far al-Sadiq nach dem Grund für das Fasten, worauf er antwortete: „Das Fasten wurde nur deshalb zur Pflicht gemacht, damit Reiche und Arme darin gleichgestellt werden. Denn der Reiche kann das Gefühl des Hungers nicht empfinden, um Mitleid mit dem Armen zu haben. So wollte Gott, der Erhabene, den Reichen das Gefühl des Hungers kosten lassen, damit er Erbarmen mit dem Schwachen hat und Mitleid mit dem Hungernden zeigt.“
Wir betrachten dies als einen der Aspekte der Weisheit des Fastens für die Reichen, denn das Fasten wurde dem Armen ebenso zur Pflicht gemacht wie dem Reichen.
Im Buch „Minhaj al-Arifin“ (Weg der Erkenntnisreichen) von Imam al-Ghazali heißt es über das Fasten: „Das Fasten ist das Verlöschen des Willens der Seele; darin liegt die Reinheit des Herzens, die Mäßigung der Sinne, die Mahnung zur Wohltätigkeit gegenüber den Armen, die Zuflucht zu Gott, der Dank für die Gnaden, die Er uns gewährt hat, sowie die Erleichterung der Abrechnung.“
Über den Vorzug des Fastens sagte der Gesandte Gottes (s): „Alles hat eine Zakat (Reinigung) und die Zakat des Körpers ist das Fasten.“ Er (s) sagte auch: „Alles hat ein Tor, und das Tor zur Gottesverehrung ist das Fasten.“ Gott der Allmächtige sagt: „Jede Tat des Sohnes Adams gehört ihm, außer dem Fasten, denn es ist für Mich und Ich belohne dafür.“ Und das Fasten ist ein Schutz, d. h. eine Vorbeugung. Der Fastende hat zwei Momente der Freude: Wenn er sein Fasten bricht, freut er sich, und wenn er seinem Herrn begegnet, freut er sich über sein Fasten (überliefert von den Fünf).
Die edle Fatima al-Zahra sagte in ihrer Predigt, dass Gott das Fasten zur Festigung der Aufrichtigkeit eingesetzt hat. Gott der Allmächtige sagt: „Diejenigen aber, die um Unseretwillen kämpfen, die leiten Wir gewiss auf Unseren Wegen.“ [Al-Ankabut 69]. Dieser Dschihad ist der Kampf gegen das eigene Selbst, indem man dessen Begierden bezwingt, welche die Weidefläche der Teufel sind. Durch ihre Unterdrückung wird deren Treiben unterbrochen und dem Diener offenbart sich die Herrlichkeit Gottes, die ihm zuvor verhüllt war. In dieser Hinsicht wurde das Fasten zum Tor zur Gottesverehrung. Im Fasten liegt eine Ähnlichkeit mit den Engeln. Der Mensch steht in seinem Rang über dem der Tiere und unter dem der Engel. Je mehr er sich den Begierden hingibt, desto tiefer sinkt er und reiht sich in die Menge der Tiere ein. Je mehr er seine Begierden unterdrückt, desto höher steigt er auf und erreicht den Horizont der Engel, und die Engel stehen Gott, dem Mächtigen und Erhabenen, nahe. Es wurde gesagt: Wenn das Fasten keinen anderen Vorzug hätte, als den Aufstieg aus dem Abgrund der tierischen Gelüste der Seele bis zum Gipfel der Ähnlichkeit mit den geistigen Engeln, so würde dies als Vorzug und Erfolg ausreichen.
Das Nachholen (Qada) und das Ersatzopfer (Fidya) beim Fasten:
„Gott der Allmächtige sagt: „(Fastet) eine bestimmte Anzahl von Tagen. Wenn aber jemand von euch krank ist oder sich auf Reisen befindet, so ist eine Anzahl anderer Tage (einzuhalten). Und für diejenigen, die es zu leisten vermögen, ist ein Ersatzopfer: die Speisung eines Armen. Wer aber freiwillig Gutes tut, für den ist es besser. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es wüsstet.“ [Al-Baqara 184]. Die bestimmten Tage sind die Tage des Monats Ramadan. Dem Kranken und Reisenden ist das Fastenbrechen gestattet, da Er, der Erhabene, das Nachholen aufgrund der Reise und Krankheit zur Pflicht gemacht hat.
Wenn ein Mensch Tage des Ramadan versäumt, ohne sie zu fasten, ist er verpflichtet, diese nach dem Ramadan nachzuholen.
Was mit Seinem Wort „Und für diejenigen, die es zu leisten vermögen, ist ein Ersatzopfer: die Speisung eines Armen“ gemeint ist, wurde im Tafsir al-Safi erklärt: Diejenigen, die zum Fasten fähig sind, d. h. das Fasten liegt in ihrem Vermögensbereich, aber es bedeutet für sie Mühsal und Beschwernis; Gott hat sie nicht dazu verpflichtet, als wäre es unumgänglich. Dies gilt für alte Menschen, Schwangere und Ähnliche. Vielmehr hat Er ihnen die Wahl zwischen dem Fasten und der Fidya gelassen, als Ausdruck Seiner Weitherzigkeit und Barmherzigkeit, wobei Er das Fasten als besser für sie in Bezug auf Lohn und Belohnung festgelegt hat, falls sie die Mühsal der Erleichterung vorziehen.
Was die Sühne (Kaffara) betrifft: Diese besteht im Fasten von zwei aufeinanderfolgenden Monaten, die nicht den Monat Ramadan enthalten. Wer das Fasten nicht leisten kann, speist sechzig Arme, das bedeutet, für jeden der sechzig Tage wird ein Armer gespeist. Das Nachholen und die Sühne sind nur dann zwingend erforderlich, wenn ein Mann während des Ramadan absichtlich den Beischlaf mit seiner Ehefrau vollzieht, während er fastet. In diesem Fall sind das Nachholen und die Sühne für beide Parteien verpflichtend.
Imam al-Ghazali sagt über die Geheimnisse des Fastens und seine inneren Voraussetzungen: Wisse, dass das Fasten drei Stufen hat: das Fasten der Allgemeinheit, das Fasten der Auserwählten und das Fasten der besonders Auserwählten. Das Fasten der Allgemeinheit ist das Zurückhalten des Bauches und der Geschlechtsteile von der Befriedigung der Begierde. Das Fasten der Auserwählten ist das Zurückhalten von Gehör, Blick, Hand, Fuß und allen anderen Sinnen von Sünden. Das Fasten der besonders Auserwählten ist das Fasten des Herzens von niedrigen Sorgen und weltlichen Gedanken sowie das gänzliche Zurückhalten von allem, was nicht Gott ist.
Wir wissen, dass das Fasten der Allgemeinheit das Enthaltens von Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr im Monat Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang ist. In einer edlen Überlieferung heißt es: Gott wird nicht besser verehrt als durch die Keuschheit des Bauches und der Scham. Das Fasten der Auserwählten, das Fernhalten der Sinne von Sünden, wird durch sechs Dinge vollkommen:
– Erstens: Den Blick senken und ihn davon abhalten, alles zu betrachten, was verwerflich ist, zuwiderläuft oder ablenkt...
Der Prophet (s) sagte: „Der Blick ist ein vergifteter Pfeil aus den Pfeilen Iblis’. Wer ihn aus Furcht vor Gott unterlässt, dem schenkt Gott einen Glauben, dessen Süße er in seinem Herzen spürt.“ Ebenso sagte der Prophet (s): „Fünf Dinge brechen das Fasten des Fastenden: Lügen, Verleumdung (Ghiba), üble Nachrede (Namima), falscher Eid und ein Blick aus Begierde.“
– Zweitens: Die Zunge vor Geschwätz, Lügen, Verleumdung, übler Nachrede, Obszönität und Streit bewahren... und sie zum Schweigen oder zur Koranrezitation zu verpflichten; das ist das Fasten der Zunge. Der Prophet (s) sagte: „Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er nicht lüstern sprechen und sich nicht töricht verhalten. Und wenn ihn jemand beleidigt oder beschimpft, so soll er sagen: Ich faste.“ Dies wird im Buch „Al-Mahadscha al-Baida“ durch die Aussage von Imam Ja'far gestützt: Wer einen Muslim verleumdet, dessen Fasten ist ungültig und seine rituelle Waschung aufgehoben.
– Drittens: Das Gehör davor bewahren, auf etwas Verwerfliches zu lauschen, denn alles, dessen Aussprechen verboten ist, dessen Zuhören ist ebenfalls verboten. Deshalb hat Gott der Allmächtige denjenigen, der Lügen zuhört, demjenigen gleichgestellt, der unrechtmäßigen Gewinn verzehrt, indem Er sagt: „Sie lauschen gern der Lüge und verzehren gern unrechtmäßigen Gewinn.“ [Al-Ma'ida 42]. Das Stillschweigen bei Verleumdung ist Sünde; deshalb sagte der Prophet (s): „Der Verleumder und der Zuhörer sind Partner in der Sünde.“
– Viertens: Die anderen Sinne, wie Hände und Füße, vor verwerflichen Taten bewahren und den Bauch vor Zweifelhhaftem schützen. Es hat keinen Sinn zu fasten, während man auf Essen und Erlaubtes verzichtet, aber beim Fastenbrechen sich dem Verbotenen zuwendet. Ein solcher Fastender ist wie jemand, der einen Palast erbaut, aber eine Stadt zerstört. Der Prophet (s) sagte: „Wie viele Fastende gibt es, für die von ihrem Fasten nichts bleibt als Hunger und Durst.“
– Fünftens: Beim Fastenbrechen nicht übermäßig vom Erlaubten essen, bis man gesättigt ist. Wie kann das Fasten dazu dienen, den Feind Gottes zu bezwingen und die Begierde zu brechen, wenn der Fastende beim Fastenbrechen das nachholt, was er am Tag versäumt hat? Der Geist des Fastens und sein Geheimnis liegen in der Schwächung der Kräfte, die Werkzeuge des Satans sind, um zu Übeltaten zu verleiten. Das gelingt nur durch Mäßigung, also dass man die Menge isst, die man jeden Abend essen würde, wenn man nicht fasten würde. Wenn man jedoch das, was man tagsüber essen würde, zum Abendessen hinzuzählt, so nützt einem das Fasten nichts.
– Sechstens: Dass sein Herz nach dem Fastenbrechen zwischen Furcht und Hoffnung schwankt. Er weiß nicht, ob sein Fasten angenommen wurde und er zu den Nahestehenden gehört oder ob es zurückgewiesen wurde und er zu den Verachteten zählt. Da die Gottesverehrung zwei Hälften umfasst: Tun und Unterlassen, stellt das Fasten in seiner Wahrheit und seinem Wesenskern die Hälfte des Unterlassens vollkommen dar, wie im Wort Gottes: „Keine Seele weiß, was für sie an Augenweide verborgen ist als Lohn für das, was sie zu tun pflegten.“ [Al-Sadschda 17]. Es wurde gesagt, ihr Tun sei das Fasten gewesen. Welch edle Gottesverehrung, die zu dem führt, was kein Ohr gehört, kein Auge gesehen und was keinem Menschenherzen je in den Sinn gekommen ist.
Ein wichtiger Hinweis zum Fasten:
Es gibt nichts Verwerflicheres als das öffentliche Fastenbrechen im Monat Ramadan in einer islamischen Gesellschaft, vor den Augen und Ohren der Fastenden, da dies deren Gefühle verletzt, ihr Empfinden kränkt und Misstrauen bei ihnen erzeugt. Der Prophet, möge Gott ihn segnen und ihm Frieden schenken, sagt: „Alle Angehörigen meiner Gemeinschaft finden Vergebung, außer denjenigen, die ihre Sünden offenbaren.“
Wenn ein Mensch aus einem Grund oder einer Entschuldigung sein Fasten gebrochen hat, so sollte er die Gefühle anderer Fastender respektieren und sich nicht dem Verdacht bei ihnen aussetzen. Denn wer weiß schon, dass er entschuldigt ist und sein Fastenbrechen diesen oder jenen Grund hat? Er kann nicht jedem erklären, dass er aus einer religiös zulässigen Entschuldigung sein Fasten bricht. Ein solcher Mensch kann zu Hause oder abseits der Blicke essen und trinken, um keinen schlechten Verdacht auf sich zu ziehen.
Ausgestellt am: 7. Rabi' al-Awwal 1430 n. H., entsprechend dem 03.03.2009 n. Chr.
Tawhidische Kenntnisse
Herausgegeben vom Büro des Scheichs des Aql
der Gemeinschaft der Unitarier-Drusen






