Die vierte Tugend im Tawhid-Glauben ist die Lossagung von den Teufeln

Das Universum besteht aus gegensätzlichen Kräften: den Kräften des Guten und den Kräften des Bösen. Die Kräfte des Guten treten in verschiedenen Formen zutage, wie beispielsweise: wenn im Menschen wahrer Glaube und die Liebe zum erhabenen Schöpfer erwachen, oder wenn der Mensch gute Absichten und reine, lautere Gedanken hegt, oder wenn er gute Taten vollbringt, der Gesellschaft nützt und den Schwachen beisteht. Demgegenüber nehmen die Kräfte des Bösen in unserem täglichen Leben ebenfalls vielfältige Gestalten an; sie sind in Verlockungen und Versuchungen gegenwärtig, die den Menschen dazu verleiten, böse Taten zu begehen und Sünden auf sich zu laden. Sie existieren in bösartigen, unaufrichtigen und aufrührerischen Personen, die den Gläubigen zum Bösen anstiften, ihn in die Irre leiten und negativ beeinflussen können. Ebenso können sie im Inneren der menschlichen Seele in Form eines Triebes erwachen, der den Menschen bedrängt und dazu treibt, eine Handlung zu vollziehen, die der Gesellschaft, seinen Nächsten oder ihm selbst Schaden zufügt.
Die Lehre des Tawhid legt ihren Anhängern, den Muwahhidun, nahe, die Kräfte des Guten anzunehmen und in ihren Seelen zu pflegen, während sie sich zugleich von den Kräften des Bösen fernhalten, diese meiden und ihre Seelen vor ihnen bewahren sollen, da diese eine Gefahr für die Seelen darstellen und sie sogar verderben können. Im Heiligen Koran heißt es: (Gewiss, Gott gebietet Gerechtigkeit, gütiges Handeln und das Geben an die Verwandten; und Er verbietet das Schändliche, das Verwerfliche und die Gewalttat. Er ermahnt euch, auf dass ihr euch besinnen mögt. (Sure An-Nahl (16), Vers 90)). Der Gedanke, die Kräfte des Guten zu stärken und die Kräfte des Bösen zu meiden, findet sich ebenso in den heiligen Schriften der Juden und Christen wieder. So heißt es zu Beginn des Buches der Psalmen: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut. Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.“ (Bibel, Altes Testament, Buch der Psalmen, Psalm 1, Verse 1–6). Auch die christliche Religion spricht von den sieben Werken der Barmherzigkeit, die in der christlichen Glaubenslehre als tugendhafte und löbliche Eigenschaften gelten, darunter: Mitgefühl und Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Großzügigkeit und Gastfreundschaft. Demgegenüber stehen die sogenannten sieben Todsünden: Hochmut, Wollust, Geiz, Habgier, Neid, Trägheit und Zorn, von denen sich die Gläubigen distanzieren, die sie meiden und vor denen sie sich hüten müssen.
Auf diesen Erkenntnissen und Grundsätzen basiert die Tugend der Lossagung von den Teufeln bei den drusischen Muwahhidun. Die Bedeutung dieser Tugend liegt darin, dass der monotheistische Gläubige seinen Mitmenschen mit Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit, Toleranz, Sanftmut, Nachsicht, Keuschheit, Demut, Freigiebigkeit, Milde und Edelmut begegnen muss. Darüber hinaus obliegt es ihm, sich dafür einzusetzen, Akte von Ungerechtigkeit, Tyrannei, Unterdrückung, Willkür, Korruption und Lasterhaftigkeit durch andere zu verhindern und die verschiedenen Rechte der Mitmenschen zu verteidigen – wie das Recht auf Leben, das Recht auf Sicherheit, Unversehrtheit und körperliche Gesundheit sowie das Recht auf Gleichheit, Gerechtigkeit und das Recht auf Würde und Respekt. Diese Tugend legt ein besonderes Augenmerk auf Personen mit schädlichem Einfluss auf ihr Umfeld, wie Tyrannen, Despoten und Unterdrücker, wohl wissend, dass manche von ihnen hohe Positionen und Ränge erlangt haben, die ihnen Einfluss, Reichtum und Macht verleihen, sodass sie ihre Stellung dazu missbrauchen können, Schwache, Bedürftige und Hilflose zu schädigen und deren Rechte mit Füßen zu treten. Ausgehend von alledem und damit die Gemeinschaft, in der wir leben, eine gerechte Gesellschaft wird, in der Gleichheit herrscht, besteht die Pflicht der gläubigen Muwahhidun nicht nur darin, sich selbst jeglicher Ungerechtigkeit, Benachteiligung und gesellschaftlicher Willkür zu enthalten, sondern vielmehr auch unverzüglich daran zu arbeiten, die Gesellschaft zum Besseren zu reformieren.
Der Zweck dieser Tugend besteht darin, bei den gläubigen Muwahhidun das Gespür für soziale Gerechtigkeit sowie die Loyalität gegenüber der Gemeinschaft zu fördern, was sie dazu antreibt, sich für die Verbesserung und Reformierung des Lebensumfelds einzusetzen, in dem sie leben. Denn eine Gesellschaft, die unter Ausbeutung, Unrecht, Spaltung, Kluften und Ungleichheit zwischen ihren Individuen leidet, die in einem täglichen Überlebenskampf gefangen sind, kann keinen Raum für Religionsfreiheit bieten. So übernahm beispielsweise zu Beginn des 11. Jahrhunderts nach Christus – in den Anfangsjahren der Verbreitung und Verkündigung der Botschaft des Tawhid – ein grausamer und ungerechter Herrscher namens Ali az-Zahir die Herrschaft in Ägypten.
Dieser az-Zahir verfolgte die drusischen Muwahhidun unbarmherzig, unterdrückte sie, misshandelte sie und griff sie an, wobei Hunderttausende von ihnen getötet wurden, sodass diejenigen, die ihr Leben retten wollten, gezwungen waren, ihren Glauben geheim zu halten oder ihn sogar scheinbar aufzugeben.

Entnommen aus dem Erbe des Tawhid