Scheich Qablan al-Qadi al-Tanukhi,
und der Verlust des Emirats Berg-Libanon durch die Drusen,
und die Verstrickung von Scheich Qablan in das Projekt der Schihab-Dynastie, die damals – mit den Worten von Dr. Muhammad al-Basha in seinem Buch „A‘lam ad-Duruz“ – „als Drusen galten“, wodurch er dem Verrat von Emir Haidar al-Schihabi zum Opfer fiel…
Scheich Qablan al-Qadi gilt als einer der prominentesten Anführer und Großgrundbesitzer der Drusen in der Region Chouf seiner Zeit, als der Rang des Qadi jenem eines Emirs gleichkam. Seine politischen Umstände erforderten es, sich Emir Haidar al-Schihabi und der kaisitischen Partei gegen Mahmud Pascha Abu Harmusch von der jemenitischen Partei anzuschließen. Dies geschah vermutlich aufgrund der Ungerechtigkeiten und administrativen Missstände, die Abu Harmusch während der Verwaltung des Emirats beging, als er Haidar al-Schihabi aus dem Palast von Deir al-Qamar vertrieben hatte…
Scheich Qablan begleitete Emir Haidar auf seiner Flucht, unterstützte ihn politisch, finanziell und militärisch, stand ihm mit Rat zur Seite und nahm seinen einzigen Sohn Muhammad mit in die Stadt Ghazir in Keserwan. Als Abu Harmusch sie einholte und Ghazir niederbrannte, flohen sie in die Fatima-Höhle in Hermel.
Dort wurde Muhammad getötet – durch einen Sturz aus großer Höhe, wie manche sagten, oder durch das Stolpern seines Pferdes; um seinen Tod ranken sich zahlreiche Verdachtsmomente (siehe „A‘lam ad-Duruz“ von Dr. Muhammad al-Basha, S. 292). Ähnliche Verdächtigungen gab es rund zwei Jahre später auch beim Tod seines Vaters, der angeblich ebenfalls durch einen Sturz aus großer Höhe ums Leben kam. Daraufhin bemächtigte sich Emir Haidar dessen Vermögens unter dem Vorwand, Scheich Qablan habe es ihm – oder die Hälfte davon – vermacht. Einem anderen Vorwand zufolge sei der Scheich ohne Nachkommen gestorben, weshalb dem Emir das Recht zustehe, dessen Besitz zu beschlagnahmen. Eine spätere drusische Überlieferung weist hingegen darauf hin, dass Scheich Qablan seinen Nachlass seiner Tochter, der Ehefrau von Ali Dschumblat, vermacht hatte. Der Emir weigerte sich jedoch, das Testament anzuerkennen, woraufhin die Würdenträger der Drusen gegen seine Entscheidung protestierten und die Vollstreckung des Testaments forderten, da es nach ihrem Recht dem Erblasser zustehe. So wurde die Angelegenheit durch einen Kompromiss beigelegt, der einerseits die Interessen des Emirs sicherte: Ali Dschumblat entstammte einer Fürstenlinie und hatte bereits vor dem Tod von Scheich Qablan politisch an Bedeutung gewonnen; er war reich, und sein Reichtum mehrte seine politische Macht, was den Emir beunruhigte, da er fürchtete, die Macht könnte ihm entgleiten. Daher eignete er sich das Erbe an und nutzte es als Druckmittel gegen Ali Dschumblat, damit dieser die Würde des Scheichs annehme und somit andererseits zu einem der geistlichen Führer des Landes werde, sowie die Statthalterschaft von Chouf und Jezzine anstelle seines Onkels Scheich Qablan übernehme. Auf diese Weise wurde er zu einem von ihm abhängigen Feudalherrn, wodurch er ihn unschädlich machte und vor ihm sicher war. Zudem erpresste er von Scheich Ali 25.000 Piaster, die Ebene Marj Bisri und das Landgut Bhannine.
Einige halten es für unwahrscheinlich, dass der Tod von Scheich Qablan ein „Schicksalsschlag“ oder wie der Tod seines Sohnes die Folge eines Sturzes aus der Höhe war. Sie vermuten vielmehr eine vorsätzliche Ermordung durch Emir Haidar und seine Gefolgsleute, um Rivalen auszuschalten. Scheich Qablan verkörperte eine Schlüsselfigur der drusischen Führung, entstammte Fürstengeschlecht und stellte eine Bedrohung für den Einfluss des Emirs dar. Es heißt, Emir Ahmad al-Ma'ni habe ihm die Herrschaft übertragen wollen, und es wird berichtet, dass er in seinen letzten Stunden den Würdenträgern in seinem Umfeld auftrug, einen Nachfolger aus ihren eigenen Reihen und nicht aus den Schihab-Reihen zu wählen. Zudem hieß es, Emir Ahmad habe die Schihab beschuldigt, seinen einzigen Sohn aus Machtgier getötet zu haben.
Wer die grausamen Verbrechen betrachtet, die die Herrscher der Schihab selbst gegen Brüder, Väter und nahe Verwandte verübten, hält es keineswegs für ausgeschlossen, dass die Vorwürfe bezüglich der Ermordung des Sohnes von Emir Ahmad sowie der Ermordung von Scheich Qablan und dessen Sohn zutreffen. Doch der Druck, der auf der Konferenz von Simqaniyya im Jahr 1698 ausgeübt wurde, änderte diese Richtung: Die kaisitischen Drusen, die die stärkere Partei bildeten, zogen es vor, dass ein kaisitischer Emir von außerhalb des Emirats das Land regierte, anstatt eines jemenitischen Emirs von innen. Niemand erwähnte damals einen Einwand der Jemeniten, da die Geschichtsschreiber Partei für die Kaisiten ergriffen – denn die Menschen folgen dem Glauben ihrer Herrscher.
Sicher ist jedoch, dass die Wahl der Schihab für das Emirat nicht im Einvernehmen aller Anführer geschah, wie der spätere Aufstand der Jemeniten unter Führung von Mahmud Pascha Abu Harmusch belegt. Es war Scheich Qablan, der den Mönchen Land für den Bau des Klosters Unserer Lieben Frau von Machmouche schenkte – zusätzlich zu Ländereien, die ihnen von einer ungenannten Fürstin gestiftet worden waren, bei der es sich angeblich um die Ehefrau von Emir Ahmad al-Ma'ni handelte. Zudem stiftete Scheich Qablan im Jahr 1709 über Bischof Euthymios Saifi Land für den Bau des griechisch-katholischen Klosters des Heiligen Erlösers (Deir al-Mukhallis) in der Region Iqlim al-Kharroub. Später, im Jahr 1712, schenkte er dem Kloster weitläufige Ländereien, unterzeichnete die Eigentumsübertragungsurkunden mit „Qablan“, bestätigte diese Schenkungen, fügte neue hinzu und stellte das Erlöserkloster unter seinen Schutz.
Es ist bedauerlich, dass uns keine Haltung eines Geistlichen oder einer religiösen Körperschaft überliefert ist, die den Standpunkt der Religionsgelehrten der Drusen widerspiegelt – mit Ausnahme der individuellen Haltung von Qadi Scheich Qablan al-Qadi, der sich in das Projekt der kaisitischen Drusen hineinziehen ließ, die wiederum dem Projekt der Schihab folgten, vertreten durch den Kaisiten Haidar al-Schihabi. Dies rührt wohl daher, dass die Scheichs der Drusen davor zurückschreckten, zu den Angelegenheiten einer Obrigkeit Stellung zu beziehen, die auf unbarmherziger Steuereintreibung, blutigen Konflikten und gewaltsamer Machtergreifung beruhte; daher überließen sie die Dinge dem Lauf des Schicksals…
Ibrahim al-Aqel, Forschungen zu Gesellschaft und Geschichte






